Herren

Seit nunmehr über 75 Jahren wird in Backnang Handball gespielt. Im Jahre 1924 war es Adolf Hirschmann, der im damaligen TV Backnang das Handballspielen einführte. Zunächst als sportlicher Ausgleich für die Turner und Leichtathleten gedacht, die samstags ihrer eigentlichen Sportart nachgingen und sonntags eben Handball spielten. Der schnelle Erfolg war nicht zuletzt auch darin begründet, dass für das Spiel – damals noch ausnahmslos auf dem Feld betrieben – keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden mussten und die wenigen Regeln waren schnell erlernt. In den Anfangsjahren gab es Höhen und Tiefen, eine echte Handballstadt wurde Backnang leider bis heute nie. Selbst in den 30er-Jahren, als unter Otto Ulmer eine selbständige Abteilung entstanden war und die Mannschaft als sehr spielstark bezeichnet wurde, gab es keinen Durchbruch zur Spitze.

Die erste Mannschaft des TV Backnang im Jahre 1938

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges waren unter der Herrschaft der Militärbehörden zunächst sämtliche Vereine und ähnliche Institutionen verboten. Trotzdem erfolgte die Zustimmung zum Zusammenschluss aller sporttreibenden Vereine. Im Mai 1946 folgte die Gründungsversammlung der Sportvereinigung Backnang. Der große Motor und Initiator vor allem im Handballbereich war Kurt Jernß. Ein ungeheurer Aufschwung setzte ein. In der Abteilung waren es nach und nach 8 Mannschaften – alle von Kurt Jernß trainiert. Darüber hinaus betätigte sich Kurt Jernß auch als Abteilungsleiter, Kassier und Schriftführer. In der Saison 1948/49 wurde der offizielle Rundenspielbetrieb wieder aufgenommen. Bis 1956 hielt sich die Mannschaft immer in den Kreisklassen des Handballkreises Enz-Murr. Besondere Erfolge gab es leider nicht auch in der neu eingeführten Hallenspielrunde waren die einzigen Höhepunkte die Turniere in der Stadthalle. Bald darauf wurde ein neues Blatt in der Geschichte der Nachkriegs-Handballer aufgeschlagen. Durch gute Arbeit des damaligen Jugendtrainers Heiner Wolf löste fast die komplette A-3ugend den bisherigen Stamm der ersten Mannschaft ab. Damit wurde aus der bisher kraftvollen Mannschaft eine spieltechnisch homogene und überall beliebte Mannschaft, die vor allem in der Halle viele Erfolge errang. Dass es trotzdem zunächst nicht gelang, in der 1. Division des Kreises zu spielen, lag am fehlenden guten Nachwuchs. Im März 1958 legte Kurt Jernß seine Funktion als Abteilungsleiter nieder. Nachfolger wurde der Neuzugang Erich Hille, dem wenig später Eugen Sammet folgte.

In der Saison 1960/61 gingen zwei Meisterschaften an uns

Ein großes Ereignis war im Frühjahr 1961 die Teilnahme an einem Turnier in Kirschau/Sachsen. Sportlich und kameradschaftlich war es ein voller Erfolg. Durch den Mauerbau konnten die Kontakte leider nicht mehr aufrechterhalten werden. Erst mit den Neuzugängen Hans Wössner und Michael Hermann in der Saison 1962/63 wurde die Mannschaft stabiler und spielte in der Halle einige Jahre in der 1. Division zusammen mit den starken Mannschaften aus Oßweil, Asperg, Kornwestheim und Ludwigsburg. Auch im Feld gelang in dieser Zeit einmal der Aufstieg in die Bezirksklasse, leider nur für eine Saison. Im Jahr 1969 wurde die Mannschaft stark verjüngt und schaffte im Feld wieder einmal den Aufstieg in die Kreisklasse 1. Die Saison 1970/71 verlief glücklos, im Feld konnte der Klassenerhalt zwar gerade noch geschafft werden, in der Halle jedoch blieb am Ende, obwohl zu Beginn als Mitfavorit gehandelt, nur der restlos enttäuschende letzte Platz und damit der Abstieg in die unterste Kreisklasse.

Die 70er-Jahre waren geprägt vom ständigen Versuch, die unteren Regionen der Kreisklasse zu verlassen – jedoch eher mit mäßigem Erfolg. Die neue Sporthalle auf der Maubacher Höhe und eine gute A-Jugend, die mit ihrem Trainer Klaus Krull die Kreismeisterschaft errang, sollten für Aufschwung sorgen. Der Mannschaft gelang in den folgenden Jahren jedoch nicht der erhoffte Sprung nach oben; zwar immer knapp (zweimal in den Aufstiegsspielen denkbar knapp gescheitert).1974/75 war es dann die in der gleichen Klasse spielende “Zweite Mannschaft”, die im Gegensatz zur “Ersten” die Sensation schaffte und in ihrer Staffel den Aufstieg in die Kreisklasse 2 feierte. In der Saison 1975/76 nahmen wir, dem allgemeinen Trend folgend, Abschied vom Großfeldhandball.

Sensationsaufsteiger in die Kreisklasse 2: die “1b”

In den kommenden Jahren scheiterten wir ständig am Aufstieg in die Kreisklasse 1, indem wir 1976 Platz 5, 1977 Platz 3, 1978 Platz 4 und 1979 Platz 3 erreichten. In der Saison 1979/80 wurde die Serie dann endlich durchbrochen und der langersehnte Aufstieg sowohl im Kleinfeld als auch in der Halle perfekt gemacht. Diese Erfolge fallen in die Ära von Herbert Schick, der die Abteilung von 1980 bis 1986 leitete. Fünf Jahre hat sich die Mannschaft in der höchsten Kreisklasse gehalten. Nachdem 1985 fast die komplette A-Jugend zu den Aktiven wechselte (inkl. Trainer Gerold Hug) und dort für einen Generationswechsel sorgte, folgte 1986 der erneute Abstieg in die Kreisklasse 2. Diese Saison zeigte deutlich den Unterschied zwischen “jungen Wilden” und älteren, erfahreneren Spielern. Zwei Jahre später – mittlerweile wurde durch Neueinteilung der Klassen die Mannschaft wieder in die Kreisklasse 1 eingestuft – folgte der nächste Abstieg, dem allerdings unter dem neuen Trainer Werner Münster in der kommenden Runde der sofortige Wiederaufstieg folgte. Durch die Rückkehr von Wolfgang Schwenger als Trainer und Spieler in der Saison 1991/92 wurde die Meisterschaft in der Kreisklasse 1 und somit der Aufstieg in die Bezirksliga erreicht. Die folgenden Jahre hatte sich die Mannschaft mit ihrem Spielertrainer Siegfried Wolf in der Bezirksliga etabliert. Nach der Saison 96/97 musste die Mannschaft unter Trainer Jürgen Rauth als Viertletzter den bitteren Weg in die Kreisliga 1 antreten. Es folgte eine mäßige Saison in der nur ein Mittelfeldplatz erreicht werden konnte.

Die erste Mannschaft in der Saison 1991/92

In dieser Situation wurde die Spielgemeinschaft mit dem TV Murrhardt gegründet. Den Bezirksligaplatz von Murrhardt nutzend spielen seitdem drei aktive Mannschaften um Punkte. Unter Trainer Marc Rudolf belegte die erste Mannschaft die Plätze 3 und 4 in den letzten beiden Jahren und schaffte nach dem Bezirkspokalsieg 98/99 auch die Titelverteidigung 99/00. Die zweite Mannschaft kämpfte ohne ihre Besten erfolglos in der Kreisliga 1 und stieg 99/00 ab. Seit der Saison 2000/2001 werden die Herren von Edgar Nüßle trainiert.

Damen

Im Mai 1977, als sich die zwei Herrenmannschaften in den Niederungen der Kreisklasse bewegten, entschloss sich die Abteilung den Aufruf zur Bildung einer Damen/Mädchenmannschaft zu starten. Die Resonanz war überwältigend: fast 60 Interessierte wurden für einen ersten Informationsabend eingeladen. Kurze Zeit später bestand die Damenmannschaft aus 18 Spielerinnen, die Mädchen zählten etwa 25. Trainiert wurden die Mädchen von Herbert Schick und K.-H. Schmid, die Damen von Werner Hamann und Willi Zoll. Man war sich natürlich im Klaren, dass die Teams in der ersten Zeit zunächst Lehrgeld bezahlen werden müssen, dies zeigte die erste Saison 1977/78 deutlich. In der Hallenrunde 1979/80 ging es dann so richtig los: die weibliche A-Jugend belegte am Ende mit 16:4 Punkten in ihrer Staffel unangefochten den ersten Platz, dem in der Endrunde der Titel des Vizekreismeisters folgte. Unsere Damen, in vielen alten Schriften eine als sehr zierlich beschriebene Mannschaft und dadurch schon rein körperlich unterlegen, belegte in ihrer dritten Saison mit ausgeglichenem Punkteverhältnis einen nicht erwarteten Platz im Mittelfeld. Für die Saison 1981/82 erwartete man sich eine Menge, wechselten doch die Leistungsträger aus der A-Jugend allesamt zu den Aktiven. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: sowohl in der Kleinfeldrunde im Sommer 1981 als auch in der folgenden Hallenrunde wurde der Aufstieg in die nächst höhere Klasse erreicht.

Fährt die ersten Erfolge ein: die Damenmannschaft 1981

In den folgenden Jahren behaupteten sich die Damen in der Spitzengruppe und verpassten zweimal knapp den Aufstieg. 1984/85 war es dann wieder soweit: durch die Aufstockung der höheren Klassen konnte unsere Mannschaft als Tabellendritter den Aufstieg in die Kreisliga 2 feiern. Im selben Jahr war die Personaldecke so dick, dass zum ersten Mal auch eine 1b-Mannschaft gemeldet werden konnte. Für die nächsten Jahre eine chronologische Auflistung der Erfolge zu führen, wäre müßig; auf der Welle des Erfolges getragen, gewannen unsere Damen quasi im Durchmarsch so ziemlich alles und standen 1988 in der Landesliga. Diese Zeit zeigt am deutlichsten, was es bedeutet, wenn ein Stamm von guten Spielerinnen ohne nennenswerte Ab- und Zugänge über Jahre hinweg eingespielt ist. Die Mannschaft wurde “lediglich” mit den der A-Jugend entwachsenen Jugendlichen ergänzt. Nach dem ungefährdeten Klassenerhalt im ersten Landesligajahr legte Werner Hamann nach 11-jähriger Amtszeit sein Traineramt nieder und überließ die schwere Aufgabe dem ehemaligen Herrencoach Gerold Hug. Die Erwartungen, die an das Aushängeschild der Abteilung gestellt wurden, konnten in vollstem Maße erfüllt werden, durch die hervorragende Arbeit der Verantwortlichen konnten einige Verstärkungen für das Landesligateam verpflichtet werden.

Die Überflieger: in 5 Jahren von der Kreis- bis in die Landesliga

Absoluter Höhepunkt war die Saison 1991/92, in der die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die Verbandsliga erreicht wurde. Ein weiteres Zuckerl war der Gewinn des Bezirkspokals in diesem Jahr – noch eine Premiere! Nach vierjähriger Amtszeit und dem 4. Platz in der Verbandsliga verließ Trainer Gerold Hug die Bühne, um im Ausschuss andere Fäden zu ziehen. Nachfolger wurde Werner Frank, der ein schweres Amt anzutreten hatte. Zahlreiche Abgänge hatte die Mannschaft zu verkraften, was die Aussichten nicht gerade rosig erscheinen ließ.

So sehen frisch gebackene Verbandsligisten aus (1992)

Die Befürchtungen wurden leider Wirklichkeit. Konnte in der Saison 1993/94 der Abstieg in den letzten beiden Rundenspielen gerade noch verhindert werden, mussten unsere Damen im Jahr darauf den ersten Abstieg nach 18 Jahren hinnehmen. Kein Wunder, betrachtet man einen Kader von 8 Spielerinnen und einer Torfrau. Dem Klassenerhalt in der Landesligasaison 95/96 folgte der Abstieg in die Bezirksliga. Mit Neuzugängen gestärkt gelang der Mannschaft der sofortige Wiederaufstieg in die Landesliga in der Saison 97/98. Erfreulicherweise konnte auch wieder eine zweite Mannschaft an den Start gehen. In den letzten Jahren hielt die Damenmannschaft ungefährdet ihren Platz in der Landesliga, während die zweite Mannschaft einen beachtlichen Durchmarsch von der Kreisliga 3, Saison 97/98, in die Bezirksliga, Saison 00/01, schaffte.

Text von Eugen Sammet, Ralf Sauter, Alexander Becher